Skip to main content

„Heimspiele des OHV sind der Wahnsinn“

Erstellt von Silke Meyer, ON-Digital vom 19.09.2017 | |   1. Herren

 

Was hat Sie veranlasst, jetzt nach Deutschland zu wechseln?

Viele Belgier spielen ja in Frankreich. Aber wir in der Familie verfolgen den deutschen Handball mehr. Mein älterer Bruder hat bereits in Deutschland, in Eisenach gespielt. Ich wollte einfach mal erleben, wie es ist, in Deutschland zu spielen.


Und? Wie sind die ersten Eindrücke? Zwei Heimspiele liegen jetzt hinter Ihnen im Team des OHV.

Es war der Wahnsinn. Die Sparkassen-Arena, die Fans. Das ist so, als wenn in Belgien jedes Wochenende Finale wäre. Selbst zu Spielen der Nationalmannschaft kommen in der Regel nicht so viele Zuschauer wie zu denen des OHV.


Haben Ihre Eltern diese Atmosphäre auch schon miterlebt?

Nein, noch nicht. Es ist für sie aber auch schwierig zu kommen. Zuhause wohnen noch mein jüngerer Bruder, der ist 14, und meine Schwester, die ist zehn. Von daher bin ich ganz froh, dass wir in der Weststaffel spielen. Wenn wir auswärts antreten, dann können sie das ein oder andere Mal dabei sein. Dann ist für sie die Anreise nicht so weit.


Wie ist Ihr Kontakt zum OHV entstanden?

Das ist über meinen Spielervermittler gelaufen. Ich bin dann zum Probetraining gekommen. Ja, und da muss ich dann wohl überzeugt haben. Ich hatte auch Angebote von belgischen Vereinen. Für mich war die Frage: Bleibe ich oder starte ich nach meiner abgeschlossenen Ausbildung zum Speditionskaufmann etwas Neues? Ich habe mich bei dieser Entscheidung auch mit meinem belgischen Freund David Polfliet abgesprochen. Er ist auch Torwart und begleitet mich schon lange auf meinem sportlichen Weg.


Wie hat der eigentlich begonnen?

Ich bin schon als Kind immer aktiv gewesen. Mein Vater hat Handball gespielt. Mein großer Bruder auch. Ja, und dann fängt man an zu probieren.


Einmal Handball, immer Handball?

Nicht ganz. Ich habe bis zum achten Lebensjahr Handball gespielt und bin dann zum Taekwondo gewechselt. Dazu bin ich über meine Klassenkameraden gekommen. Drei Jahre habe ich das gemacht. Bis mein Bruder mich fragte: Du, die suchen in der Handballmannschaft einen Torwart. Da war ich elf Jahre. Seitdem stehe ich jetzt im Handballtor.


Und Sie haben nie mal Lust gehabt, es als Spieler zu probieren?

Nee. Auf dem Spielfeld wird mir zu viel gerissen. Da bleib ich schön in meinem Kasten, hab den einigermaßen unter Kontrolle und Spaß daran, abgeworfen zu werden. Ein bisschen verrückt, im positiven Sinn, muss man aber schon sein. Der Reiz in dieser Position liegt für mich auch darin, Spiele entscheiden zu können.

Gibt es für Sie ein Torwart-Vorbild?

Ich habe mir viel von meinem Freund David abgeguckt, der in Deutschland in der 2. Bundesliga gespielt hat. Ich hatte das Glück, relativ früh in leistungsstarken Mannschaften zu spielen. Als ich 20 war, ging’s dann bergauf.


Bis hinauf in die Nationalmannschaft.

Ja, im November vergangenen Jahres bin ich erstmals nominiert worden. Anfangs hatte ich nur kurze Einsätze. Höhepunkt bisher ist für mich das Qualifikationsspiel zur Europameisterschaft vor 4500 Fans gegen Frankreich gewesen. Da habe ich 60 Minuten gespielt und wir haben nur mit vier Toren verloren gegen eine Mannschaft mit Spielern der großen Clubs Paris Saint Germain und Barcelona.

Sportlicher Alltag ist jetzt der OHV. Worin unterscheidet sich der von dem in Belgien?

Auch wenn sich in beiden Fällen alles auf Amateurebene abspielt, wird hier doch professioneller gearbeitet. Die Mannschaft zieht mehr mit, die Abläufe sind intensiver geplant. Es gibt Videoanalysen, persönliche Gespräche mit dem Trainer. Das Hobby Handball wird hier ernster genommen. Und auch, was meine Position speziell betrifft, gibt es Unterschiede. Die Wurfvarianten in Deutschland sind ganz anders. Daran muss ich mich noch gewöhnen. Aber es macht Spaß. Und die Zusammenarbeit mit Freddi (der weitere Torwart im Team des OHV, die Redaktion) klappt super. Das ist ganz wichtig, dass die Chemie stimmt. Dass sich der eine für den anderen freut, wenn er gut hält.


Auf dem Spielfeld ist es Ihre Aufgabe, Tore zu verhindern. Im Team hat aber ja jeder noch seine speziellen Aufgaben für das Drumherum.

Eigentlich sollte ich den Eiswart machen, also für die Coolpacks sorgen. Das ging aber nicht, weil ich keine Tiefkühltruhe habe. Jetzt bin ich Leibchenwart und muss zum Training den Arztkoffer mitbringen. Und dann bin ich noch der neue Reiseleiter.


Der neue Reiseleiter ...

Ja. Da ist es meine Aufgabe, der Mannschaft bei Auswärtsfahrten etwas über den Ort zu erzählen, in dem wir antreten. Da muss ich die Leute dann ein bisschen unterhalten.


Na dann, viel Spaß dabei und eine erfolgreiche Zeit beim OHV.

Danke. Schade nur, dass sich Marek Mikeci so schwer verletzt hat. Das ist bitter. Wenn wir von Verletzungen verschont geblieben wären, hätten wir in der
Liga gut mitmischen können. Jetzt müssen wir mal sehen.

Zurück
Der OHV-Neuzugang im Tor, Youri Denert, ist bereits in kurzer Zeit mittendrin. Foto: Wolfenberg