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Achterbahnfahrt in der "Handball-Hölle"

Erstellt von Marco Lindenbeck, ON-Digital vom 28.01.2019 | |   1. Herren

OHV Aurich bewahrt vor 2000 Zuschauern in Cloppenburg kühlen Kopf und gewinnt nach turbulentem Spielverlauf 29:27

Cloppenburg. 2000 handballverrückte Zuschauer in der prall gefüllten Sporthalle an der Leharstraße, Emotionen, Leidenschaft und rasanter Tempohandball: Das waren die Zutaten in dem Spitzenspiel der Oberliga zwischen dem TV Cloppenburg und Tabellenführer OHV Aurich. Die Auricher Handballer bewahrten in dem Hexenkessel einen kühlen Kopf und nahmen beim 29:27-Erfolg beide Punkte mit auf die Heimreise. Der Vorsprung auf den ersten Verfolger Habenhausen beträgt immer noch sieben Punkte, auch nach dem 14. Saisonspiel hat der OHV immer noch nicht verloren. 

OHV-Trainer Arek Blacha freute sich über den gelungenen Start in die Rückrunde, doch auch einen Tag nach Abpfiff der Begegnung stand Blacha noch immer unter dem Eindruck der Geschehnisse. „Das war ein knappes und schwieriges Spiel. Aber die 300 Zuschauer aus Aurich haben uns lautstark angefeuert. Eine tolle Atmosphäre und Werbung für den Handball-Sport“, sagte Blacha. 

Der Tabellenvierte aus Cloppenburg hatte das Spiel gegen Aurich als Zuschauermagnet auserkoren und das Spiel bereits im Dezember in die große Sporthalle an der Leharstraße verlegt. Sogar einen neuen Belag hatten die Verantwortlichen verlegen lassen. 

Auch auf dem Hallenparkett versuchten die Cloppenburger alles, um den unbesiegten Tabellenführer zu schlagen. Die aggressive TV-Abwehr nervte die OHV-Offensive zu Beginn des Spiels, doch bis zur siebten Minute setzten sich die Auricher mit einer 6:3-Führung etwas ab. Doch die Cloppenburger wollten sich an diesem Abend nicht frühzeitig abschütteln lassen und kamen bis zur 17. Minute wieder auf 10:11 heran. Bis zur Pause bauten die OHV-Spieler ihren knappen Vorsprung auf sechs Tore auf. Doch dass es in der zweiten Halbzeit knapp werden würde, deutete sich bereits in der 27. Minute an. Paul Jordan sah nach der dritten Zeitstrafe in der 27. Spielminute, die direkte Rote Karte. (geändert OHV Aurich)

Kurz nach Wiederbeginn traf Oliver Staszewski, mit sieben Toren der beste Auricher Schütze, zum 20:13 für Aurich. Doch danach drehte Cloppenburg auf und kam Tor für Tor heran. Nach 42 Minuten führten die Auricher nur noch mit 21:19. „Durch den Ausfall von Jordan konnten wir auf der Position nicht mehr wechseln. Da war die Luft bei einigen Spielern auch raus“, so Blacha. 

Doch die knapp 300 mitgereisten Auricher Fans peitschten ihre Mannschaft lautstark nach vorne. „Sie waren zeitweise lauter als der gesamte Rest in der Halle“, lobte der OHV-Trainer. Angestachelt von den Anfeuerungen erzielten die Auricher zwischen der 46. und 49. Minute vier Tore in Folge und führten mit 27:21. 

Doch nach der Roten Karte gegen Jannes Hertlein wurde es noch einmal richtig spannend. Cloppenburg holte wieder auf, die Halle tobte. Drei Minuten vor Ende der Partie verkürzte Edwin de Raad auf 27:28. Josip Crnic sorgte mit seinem Tor zum 29:27 für den Endstand. „Das war nicht gut für mein Herz. Ich hatte Angst, dass wir den Vorsprung nicht ins Ziel retten könnten. Doch die Jungs haben in diesem Hexenkessel einen kühlen Kopf bewahrt“, sagte Blacha. 

Für das große Ziel Wiederaufstieg war dieser Sieg für Blacha ein Meilenstein. Er glaubt an einen Schub für die nächsten schweren Aufgaben. Denn: Der OHV Aurich muss in den nächsten zwei Wochen zweimal auswärts antreten. Darunter das wichtige Spiel beim ärgsten Verfolger Habenhausen. Auch Blacha will von vorzeitigen Meisterfreuden noch nichts wissen. „Wir müssen weiter aufpassen. Wenn wir die nächsten beiden Spiele erfolgreich gestalten, dürfen wir kurz verschnaufen“, so Blacha. Am Sonntagnachmittag schaute sich Blacha dann die bittere Niederlage der Nationalmannschaft gegen Frankreich an. Wieder eine Werbung für den Handball-Sport. 

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Jannes Hertlein (links) sah in Cloppenburg die Rote Karte.