Zum Hauptinhalt springen

OHV-Spieler verabschiedet sich unter Tränen

Erstellt von Ostfriesische Nachrichten: Silke Meyer | |   1. Herren

Josip Crnic bestritt am Sonnabend gegen den Oranienburger HC sein letztes Spiel für den Handball-Drittligisten OHV Aurich. Er verlässt den Verein nach fünf Jahren. Es wurde ein rühriges Finale.

 

Aurich. Wie hat er die Fans geliebt. Bis zu 2000 kommen in normalen Zeiten zu den Heimspielen des OHV Aurich. Hat mit ihnen gespielt und sie mit ihm. In diesem Moment aber ist Josip Crnic froh, dass sie nicht da sind. Sie hätten ihm den Abschied noch viel schwerer gemacht als der ihm ohnehin schon fällt. Crnic ist am Sonnabend zum letzten Mal im Trikot des Handball-Drittligisten aufgelaufen.

 

 „Zum Glück ist die Halle leer“, sagt Crnic. Er hatte es schon gewusst, als er sich im Winter entschied, den Verein nach fünf Jahren zu verlassen und zur SG Ratingen zu wechseln. Es würde ein gefühlsbetonter Abschied werden. Aber auch coronabedingt nur zwei Hand voll Fans, die als Helfer rund um das Spiel gegen den Oranienburger HC im Einsatz gewesen sind, sorgen nach dem Schlusspfiff mit stehenden Ovationen und Joooosip-Crnic-Gesängen für ein unter die Haut gehendes Finale. Den Rahmen bilden coronakonform die applaudierenden Mannschaftskameraden und die, die zum Team um das Team gehören. Mehr geht in Corona-Zeiten nicht.

 

Ovationen rühren zu Tränen

 

Aber schon diese Ovationen rühren den 32-Jährigen zu Tränen. Er ist zwar nie der Mann für große Worte gewesen. Er hat lieber seinen Gesten sprechen lassen. Wenn er mit ausgebreiteten Armen über Tore jubelte, oder die erfolgversprechende Faust ballte nach dem Motto „wir packen das“. Und damit die Fans gerade in Spielen, die Spitz auf Knopf standen, mitgerissen hat. Und davon hat es einige gegeben. Ebenso von seinen Toren. Von seiner Position, von Rechtsaußen. Mal den Ball knallhart im Netz platziert, mal aus dem Handgelenk gezwirbelt. Am Sonnabend gegen den Oranienburger HC zum letzten Mal.

 

Deshalb nimmt er am Sonnabend nicht nur den Ball, sondern ausnahmsweise auch das Mikrofon in die Hand. Und wendet sich an die, die zum Abschluss dabei sein dürfen. Auf Deutsch bedankt er sich für fünf Jahre in Aurich. Für die begeisternde Atmosphäre in der Arena. Beim OHV, der für ihn zu einer Familie geworden ist. Erinnert an seine Anfänge. Und bricht dann, übermannt von den Gefühlen, ab: „Ich kann nicht mehr.“ Es folgt ein tränenreiches Abklatschen bei jedem Einzelnen im Team. Am Ende der Reihe beim Vereinsvorsitzenden Ulrich Mittelstädt, der sich von seinem OHV-Fanschal trennt und ihn Crnic umhängt. „Seine Art als Mensch, einmalig“, bedauert auch OHV-Trainer Arek Blacha den Weggang.

 

Am Anfang konnte er kein Wort deutsch

 

 Crnic dreht seine Abschiedsrunde im Meister-T-Shirt aus dem Wiederaufstiegsjahr der Auricher aus der Oberliga in die 3. Liga. Weil das für ihn der schönste Moment in seiner Zeit beim OHV war? Nein. Was ihm am herausragendsten in Erinnerung bleiben wird, ist die Stimmung bei Heimspielen: „Diese Halle ist wirklich die Hölle. Echt eine Ostfriesenhölle. So eine Atmosphäre wünschen sich viele andere Vereine. Und ich bin stolz, dass die Fans uns und mich unterstützt haben.“ So mitreißend der Handballer Crnic ist, so zurückhaltend ist er privat: „Wenn ich auf dem Feld stehe, dann wollen alle Spaß haben. Zuhause bin ich aber sehr ruhig.“

Als Crnic vor fünf Jahren nach Aurich wechselt, kann er kein Wort deutsch: „Da musste mir Karlo Oroz alles übersetzen.“ Oroz ist, wie Crnic, Kroate und spielt schon für die Auricher, als Crnic neu dazukommt. Inzwischen spricht Crnic nahezu fließend Deutsch. Sogar plattdeutsch kann er ein bisschen.

 

Am 1. Juli beginnt ein neues Kapitel

 

 Ende dieses Monats ist das Kapitel OHV für Crnic Vergangenheit. Den Juni wird er zusammen mit seiner Frau Ana und seiner fünfjährigen Tochter Lena in seiner kroatischen Heimat verbringen.

Am 1. Juli beginnt für die Familie dann ein neues Kapitel. „Dann fangen wir wieder von vorne an“, sagt Crnic. Sportlich bei der SG Ratingen. Und beruflich wird er bei „interaktiv“ tätig sein. Einem Verein für Schule, Sport und Freizeit, dessen Ziel es ist, jungen Leuten eine qualitativ hochwertige Möglichkeit zu bieten, ihren Schulalltag und ihre Freizeit zu gestalten.

 

Die berufliche Perspektive ist auch der Grund, weshalb sich Crnic zum Wechsel entschlossen hat. Bei aller Verbundenheit inzwischen zum OHV und den Aurichern: „Wir haben hier so viele Menschen kennengelernt und Freunde gewonnen. Wir werden wiederkommen“, sagt Crnic.

 

Vielleicht ja sogar auf sportlicher Ebene. Denn die SG Ratingen, die in dieser Saison in der Regionalliga Nordrhein antrat, hat für die Aufstiegsrunde zur 3. Liga gemeldet. Die Relegation wird vom 11. bis 13. Juni im Rather Waldstadion in Düsseldorf gespielt. Die SG bekommt es dort mit Tusem Essen II und dem OSC Rheinhausen zu tun.

 

„Wer weiß, vielleicht treffen die SG Ratingen und der OHV dann ja in der 3. Liga aufeinander“, hofft Crnic schon auf ein baldiges Wiedersehen. Und dann in einer vollbesetzten Sparkassen-Arena. Das wär’s.

 

 Alles Gute für deine Zukunft Jo...!

Zurück
Viel Trost brauchte OHV-Spieler Josip Crnic (Mitte). Den bekam er unter anderem von Mannschaftsärztin Renate Kleeblatt. Crnic fällt der Abschied vom Verein und seinen Mannschaftskollegen (links Maxim Pliuto) schwer. Fotos: Wolfenberg
Eine letzte Umarmung mit OHV-Trainer Arek Blacha.
Josip Crnic (Mitte) fiel der Abschied sichtlich schwer.
Ein Andenken an den OHV ist für Josip Crnic der Fanschal.
Gegen den Oranienburger HC zeigte Josip Crnic noch einmal seine spielerische Klasse.