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Geduld wird belohnt

Erstellt von Ostfriesische Nachrichten: Silke Meyer | |   1. Herren

Seit zwei Jahren trainiert OHV-Torhüter Marten Jungvogel bereits mit der Drittligamannschaft – im letzten Ligapokalspiel kam er erstmals zum Einsatz

 

Er hatte es schon zwei Tage vorher erfahren. Er würde im letzten Ligapokalspiel des Handball-Drittligisten OHV Aurich im Tor beginnen. Das hatte ihm Trainer Arek Blacha im Training gesagt. Von da an kribbelte es noch ein bisschen mehr in Händen und Füßen von Marten Jungvogel als ohnehin schon: „Anfangen zu dürfen, darüber habe ich mich total gefreut.“ Für den 20-Jährigen war es nach zwei Jahren, in denen er jetzt beim OHV ist und in dieser Zeit fast nur trainieren konnte, der erste Einsatz in einem „richtigen“ Spiel für die Auricher.

 

Gegen den Oranienburger HC kam Jungvogel die gesamte erste Halbzeit zum Einsatz. „Es hat Spaß gemacht“, sagt er.

 

Welches Potenzial in ihm steckt, zeigte er bei so mancher Parade. „Nachdem ich erfahren habe, dass ich anfange, habe ich mir noch mehr Druck gemacht“, sagt Jungvogel. Ja, ein paar gute Aktionen seien dabei gewesen, reagiert er bescheiden auf Komplimente. „Ich hätte aber gerne noch ein paar Bälle mehr gehalten“, ist er mit seiner Leistung selbst aber nicht ganz zufrieden.

 

Dennoch ist der Marienhafer, der an der Polizeiakademie Niedersachsen in Oldenburg studiert, mit einem Glücksgefühl aus dem Spiel gegangen. Damit hat der Ligapokal, der für ihn im April so ärgerlich begonnen hatte, doch noch ein positives Ende genommen.

 

Jetzt hatte er dort nach dieser coronabedingten langen Pause endlich mal die Chance auf einen Einsatz. Und dann muss ihm das passieren.

 

Er guckte mal beim Training vorbei und blieb

 

Vor dem zweiten Spiel in dem Wettbewerb tritt er im Abschlusstraining mit dem Fuß unglücklich auf den Ball und knickt um. Ein Einsatz kommt damit zunächst nicht in Frage. Bis zum letzten Spiel. Abgesehen von einem gebrochenen Knöchel, und das liegt schon ein paar Jahre zurück, musste Jungvogel bisher noch nie verletzt pausieren.

 

Klar, er war maßlos enttäuscht. Aber den Kopf hängen lassen? Nee. Das ist nicht Marten Jungvogel. Denn dann hätte er die zwei Jahre bis zu seinem ersten Einsatz gar nicht durchgehalten. In der Saison 2019/20 bestritt Jungvogel über ein Doppelspielrecht in seinem letzten Jahr als A-Jugendlicher seine ersten Spiele für den OHV. Mit der A-Jugend in der Oberliga. Zugleich trat er aber auch noch bereits im Tor
der Landesliga-Herrenmannschaft von TuRa Marienhafe an. Seinem Heimatverein.

 

Im Alter von zehn Jahren entdeckte Jungvogel den Handballsport für sich. Vorher hatte er Fußball gespielt. Von klein auf. Und von Anfang an im Tor. „Das hat mir schon immer gefallen.“ Über seine Freunde und die Schule kam er zum Handball. Seine Familie hatte da keine Aktien drin. Mit Maxim und Nikita Pliuto, die jetzt im Drittligateam Jungvogels Mannschaftskameraden sind, ist er schon zusammen zur Grundschule gegangen. „Vielleicht guckst du einfach mal vorbei“, hatten sie damals gesagt. Jungvogel guckte nicht nur vorbei, sondern wechselte die Sportart und blieb beim Handball: „Ich hatte das Gefühl, das es besser lief als beim Fußball.“ Keine Frage war, auf welcher Position er sich einleben würde. Im Tor. „Ich musste mich nur ein bisschen umstellen. Die Bewegung ist ein wenig anders“, zieht Jungvogel den Vergleich zum Fußballtorwart.

 

Im Handballtor ging es für ihn stetig voran. Er spielte jede Saison gleich in zwei Jugendmannschaften. In der, die seiner Altersklasse entsprach, und in der nächst höheren. Mit seiner Leistung weckte Jungvogel das Interesse des OHV: „Da war ich total überrascht, als der Anruf kam.“ Schon das erste Mal beim Training hatte er das Gefühl von einem neuen sportlichen Zuhause. „Ich bin Jo“, wurde er gleich mit offenen Armen als erstes von dem Spieler empfangen, der den OHV jetzt verlassen hat - Josip Crnic.

 

Zunächst trainierte Jungvogel einmal die Woche mit den Aurichern: „Mein Ziel war es, mit der A-Jugend in der Oberliga zu spielen.“ Als Handballtorwart hatte ihn mit den Leistungsfortschritten der Ehrgeiz gepackt, nachdem es beim Fußball mehr um Spaß gegangen war.

 

Die Saison 2020/21 war seine erste ausschließlich in der Herrenmannschaft und nur für den OHV. Im Drittligateam ist Jungvogel die Hoffnung für die Zukunft. Mit Edgars Kuksa und Frederick Lüpke hat er zwei gestandene Torhüter vor sich. Dass Jungvogel da zunächst nur mit Kurzeinsätzen rechnen kann, ist dem 1,90 Meter großen Nachwuchstorhüter bewusst: „Ich bin ja zum OHV gewechselt, um mich weiterzuentwickeln. Und von den Beiden kann ich nur lernen.“ Spielpraxis, so war geplant, sollte er vorwiegend in der zweiten Mannschaft des OHV in der Verbandsliga sammeln. Corona kam dazwischen.

 

Im Ligapokal bekam Jungvogel zum Abschluss jetzt die Chance, sein Können wenigstens in einem Pflichtspiel in dieser Saison im Drittligateam zu zeigen. Er hat sie genutzt. „Ich hab mich im Training immer angestrengt. Vielleicht war das ja die Belohnung.“

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In der letzten Ligapokalbegegnung der Saison gegen den Oranienburger HC zeigte der Nachwuchstorhüter des OHV Aurich, Marten Jungvogel, sein Können. Es war sein erster Einsatz in einem Pflichtspiel für das Drittligateam. Foto: Bernd Wolfenberg