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Ein außergewöhnliches Spiel

Erstellt von Ostfriesische Nachrichten: Silke Meyer | |   1. Herren

OHV Aurich kommt beim Team Handball Lippe II anfangs überhaupt nicht zurecht und dreht dann auf – trotz aller Probleme

Es war ein Spiel der Sorte Kneif mich mal, sonst glaub ich’s nicht. Mit sieben Toren lagen die Drittliga-Handballer des OHV Aurich nach einer Viertelstunde beim Team Handball Lippe II zurück, mussten schon ab da personell jonglieren. Und gewannen am Ende ein Torefestival. Zusammengerechnet kamen 77 Treffer in 60 Minuten heraus. 43 für den OHV, 34 für die Lipper.

 

Aber wo der OHV in den ersten 20 Minuten war? Jedenfalls nicht da, wo er sein sollte. Wo er sein wollte. Im Spiel. OHV-Trainer Arek Blacha drückte es so aus: „Wir waren nicht bei der Sache.“ Im Gegensatz zu den Lippern, die in der Anfangsphase richtig Gas gaben. „Die waren richtig gut“, lobte Blacha andererseits aber auch die Leistung des Gegners.

 

0:4 lagen die Auricher, die ohne Kevin Wendlandt (krank) und Wilke de Buhr (Rückenprobleme) antreten mussten, nach fünf Minuten zurück. Erst dann gelang Nikita Pliuto im Nachsetzen das erste Tor für den OHV.

 

So, wie in den vorherigen drei Spielen in der Pokalrunde für den OHV alles passte, lief diesmal genau so viel gegen. Die Lipper bestraften Fehler und Fehlwürfe der Auricher im Angriff ruckzuck. Gleich zweimal trafen sie bei einer Zeitstrafe gegen Nikita Pliuto aus der siebten Minute, als der OHV deshalb Torwart Frederick Lüpke aus dem Spiel genommen hatte, ins leere Tor.

 

OHV-Spieler kassiert früh zweite Zeitstrafe

 

Und dann auch noch das: Bereits in der zehnten Minute kassierte Nikita Pliuto seine zweite Zeitstrafe. Eine Dritte, die das Aus für den OHV-Abwehrchef bedeutet hätte, riskierte Blacha nicht. Ihm blieb aber bereits drei Minuten später keine andere Wahl, als ihn wieder einzusetzen. Denn Jannes Hertlein bekam für eine Abwehraktion die Rote Karte. Der OHV lag 5:11 zurück. Für Blacha dennoch nicht beängstigend: „Ich hatte immer das Gefühl, das was möglich ist.“

 

Mit zunehmender Spieldauer lief dann bei den Lippern nicht mehr alles rund. Sie ließen Torchancen aus. Und der OHV kam in Schwung.

 

Mit vier Toren in Folge verkürzten die Auricher zwischen der 18. und 22. Minute den Rückstand schon mal von 8:14 auf 12:14, ehe Blacha die Aufholjagd mit einer Auszeit stoppte. Mit dem Ziel, die Abwehr von defensiv auf offensiver umzustellen. Maxim Pliuto spielte anschließend auf der vorgezogenen Position. Mit Erfolg.

 

Mit der Auszeit hatte Blacha die Aufholjagd aber nur unterbrochen. Es folgten drei weitere Tore zum 15:14 in der 27. Minute. Jonas Schweigart hatte Nikita Pliuto am Kreis angespielt, der zur erstmaligen Führung traf. Die Anspiele aus dem Rückraum auf den Kreisläufer sollten bis zum Schluss ein effektiver Baustein zum Sieg des OHV sein.

 

Ein weiterer: Evgeny Vorontsov. Auf sein Konto gingen am Ende zwölf Treffer.

 

 „Es war wichtig, dass wir uns nicht abschütteln lassen haben. Wir hatten uns vorgenommen, bis zur Halbzeit ranzukommen“, sagte Blacha. In die ging der OHV mit einem 17:17, fand dann gut zurück ins Spiel und schien beim 28:24 Mitte der zweiten Halbzeit alles im Griff zu haben. Per Siebenmeter und mit zwei Treffern über die Außenpositionen zum 27:28 waren die Lipper innerhalb von vier Minuten aber wieder dran.

 

Sie riskierten dann einen siebten Feldspieler im Angriff, agierten mit zwei Kreisläufern und verzichteten auf den Torwart. So kamen die Auricher in den letzten zehn Minuten noch zu schnellen, zu leichten, aber auch weiter mit sehenswerten Aktionen über den Kreis noch zu 13 Toren. Und zu einem Sieg, der überraschend deutlich ausfiel und alles andere als locker herausgespielt war.

 

Mit diesem Ergebnis hatte auch Blacha nicht gerechnet: „So etwas passiert selten.“ Für den OHV waren damit aller guten Dinge vier. Denn sie gewannen gegen das Team Handball Lippe II sowohl beide Auf einandertreffen in der Punktspielsaison als auch in der Pokalrunde. Für die Lipper hingegen bleibt der OHV die einzige Mannschaft, gegen die sie in dieser Saison kein Spiel gewannen.

 

Mit dem Sieg haben sich die Auricher so gut wie sicher für die DHB-Pokalrunde qualifiziert. Perfekt machen können sie die Teilnahme am kommenden Sonntag im letzten Heimspiel der Saison gegen den Longericher SC Köln. Gegen den direkten Konkurrenten könnten sie sich sogar eine Niederlage mit einem Tor erlauben.

 

Handball Team Lippe II – OHV Aurich 34:43 (17:17)

Handball Team Lippe II: Mühlenstädt, Goldbecker (1 Tor); Weiß (1), Runge (3), Hübner, Schmidt (1), Oetjen (5), Hollstein, Geislers (2), Hinsch (5), Hansen (6/davon 5 Siebenmeter), Carstensen (5), Herz (5).

OHV Aurich: Lüpke, Jungvogel; Günsel (1), Fuhrmann, Vorontsov (12), M. Pliuto (6), N. Pliuto (6), Wark (4), Schweigart (4/1), Hertlein (1), Menne (1), Puljic (8/4).

Zeitstrafen: Lippe II 8 Minuten – OHV 6.

Rote Karte: Hertlein (13. Minute).

Siebenmeter: Lippe II 5/5 verwandelt – OHV 5/5.

Schiedsrichter: Dustin Seidler / Denis Seidler (Solingen).

Zuschauer: 353.

Torfolge: 4:0 (5. Minute), 5:3 (7.), 8:3 (10.), 11:4 (13.), 15:12 (15.), 14:8 (18.), 14:15 (26.), 17:17 (30.); 17:19 (32.), 20:22 (37.), 20:24 (40.), 24:28 (45.), 27:28 (49.), 30:32 (53.), 30:36 (56.), 34:43 (60.).

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Wie schon im Punktspiel der Saison setzte sich OHV-Spieler Nikita Pliuto auch in der Pokalrunde gegen das Team Handball Lippe II durch. Obwohl er bereits nach zehn Minuten mit zwei Zeitstrafen belastet war.Foto: Bernd Wolfenberg