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Blacha: „Wenn es einer schafft, dann der OHV“

Erstellt von Ostfriesen-Zeitung: Matthias Herzog | |   1. Herren

Die Saison in der Dritten Handball-Liga ist erst einmal unterbrochen, keiner wagt eine Prognose, wie es weitergehen kann. Trainer Arek erzählt im Interview, wie er die Krise erlebt und warum er felsenfest auf den OHV Aurich setzt.

Aurich  Eigentlich würde sich der OHV Aurich auf der Saison-Zielgeraden befinden. Momentan ist der Spielbetrieb von der Bundesliga bis zur Dritten Handball-Liga nur ausgesetzt, spätestens bis zum 16. Mai soll er wieder aufgenommen werden. OHV-Trainer Arek Blacha erläutert im Interview, wie er die Corona-Krise erlebt und warum er weiterhin felsenfest auf den OHV Aurich setzt.

 

Frage: Seit Mitte März ruht der Ball. Wie geht es Ihnen und wie erleben Sie die Krise?

 

lacha: Mir geht es den Umständen entsprechend gut, für die Gesellschaft und unseren geliebten Sport ist die Lage eine Katastrophe. Zum Glück kann ich als Physiotherapeut noch weiter meiner Arbeit nachgehen, selbstverständlich mit Schutzmaske und Handschuhen. Unsere Dienstpläne sind für die nächsten Tage noch voll, viele brauchen unsere Hilfe. Daher bin ich dankbar, nicht zu Hause sitzen zu müssen. Aber ohne Handball ist es für mich ganz schwierig. Ich liebe meine Spieler und hoffe inständig, dass wir bald wieder bessere Zeiten erleben.

 

Frage: Sie dürfen nicht gemeinsam trainieren, die Sportstätten sind gesperrt. Wie halten Sie Kontakt zu Ihren Spielern und wie halten die sich fit?

 

Blacha: Meine Spieler sind professionell. Sie machen Konditionseinheiten, Kräftigungs- und Stabilisationsübungen, ähnlich wie in der Vorbereitung. Wir haben auch Kontakt über Whats-app-Gruppen oder ich telefoniere mit den Spielern. Bis auf Matej Cuk, der in seine Heimat Kroatien gefahren ist, sind alle Spieler hier in Ostfriesland, die meisten gehen ja auch hier ihrer Arbeit nach. Ich selber gehe auch Laufen, mache Krafttraining für mich, aber sicher nicht so intensiv wie die Spieler.

 

Frage: Glauben Sie, dass die laufende Saison noch beendet werden kann?

 

Blacha: Ich weiß es nicht, ich spiele in meinem Kopf auch die verschiedenen Szenarien durch. Da ich ein positiv denkender Mensch bin, hoffe ich, dass es vielleicht möglich ist, im Mai wieder in Kleingruppen zu trainieren. Bei uns ist die Problematik, dass wir einen Körperkontaktsport betreiben. Wir brauchen vier bis sechs Wochen, damit die Mannschaft wieder fit ist und wir keine Verletzungen riskieren. So einfach den Schalter umlegen können wir gar nicht.

 

Frage: Können Sie sich „Geisterspiele“ beim OHV Aurich vorstellen?

 

Blacha: Nein, das kann ich mir eigentlich nicht vorstellen. Der Handball lebt von den Emotionen, und da gehören auch die Zuschauer dazu. Aber wenn ich darüber nachdenke und die Politik würde entscheiden, bis zu dem Zeitpunkt gibt es Spiele ohne Zuschauer und es ist auch absehbar, wann diese Situation endet, dann halte ich es doch wieder für denkbar. Es wäre ein Zeichen, dass es langsam wieder aufwärts geht. Wichtig für die Gesellschaft wäre es, dass man sieht, dass der Betrieb wieder Fahrt aufnimmt.

 

Frage: Im Handball werden viele Denkmodelle diskutiert. Der OHV befindet sich in der Dritten Liga im oberen Bereich. Welche Entscheidungen halten Sie für möglich?

 

Blacha: Es ist sicher denkbar, dass die Saison annulliert wird und wir wieder bei Null anfangen. Ich kann mir auch vorstellen, dass es eine andere Lösung geben wird, die die meisten Klubs zufrieden stellen wird. Bei einem Abbruch wird es vermutlich keine Absteiger geben. Die Teams, die aufsteigen wollen, werden dann auch hochgehen. Daher halte ich es für möglich, dass wir Ligenstärken haben, die es so bisher noch nicht gegeben hat. Das Schlimmste befürchte ich für die 2. Bundesliga, auch Insolvenzen halte ich nicht für ausgeschlossen. Dort sind alle Spieler Vollprofis. In der Bundesliga wird es irgendwie weitergehen, und bei uns in der Dritten Liga sind die meisten Spieler ja noch berufstätig.

 

Frage: Wie beurteilen Sie die Lage beim OHV Aurich?

 

Blacha: Die Unsicherheit ist momentan das größte Problem. Keiner kann ja sagen, wie lange welcher Zustand noch anhalten wird. Aber eins steht für mich fest: Wenn es in der Dritten Liga einer schafft, die Krise zu überstehen, dann ist es der OHV Aurich. Sicher auch mit großem Schaden, aber wir sind wirklich hervorragend aufgestellt. Der Verein ist sehr gefestigt in den Bereichen Management, Sponsoren, Zuschauer und Mannschaft. Wir haben nicht einen großen Gönner, sondern können uns auf viele Partner verlassen. Zudem ist der Zusammenhalt in der Mannschaft sehr groß, fast alle Spieler haben ja verlängert.

 

Frage: Wie ist die finanzielle Situation beim OHV? Haben Sie sich mit dem Management auch schon auf Gehaltskürzungen oder Ähnliches geeinigt?

 

Blacha: Da laufen die Gespräche. Sicher dürfte jedem klar sein, dass es Einschnitte geben wird. Wie genau die aussehen, werden die nächsten Tage zeigen.

 

Frage: Die Ostertage stehen vor der Tür. Wie werden Sie das Wochenende verbringen?

 

Blacha: Im ganz kleinen Kreis mit meiner Familie. Normalerweise bekommen wir über die Feiertage Familienbesuch aus Polen oder wir wären in meine Heimat gefahren, aber das fällt in diesem Jahr leider aus. Alle zwei Tage mache ich Videotelefonate mit meiner Mutter, meiner Schwester und meinem Bruder. Wir machen uns alle große Sorgen und hoffen, dass in unserem Umfeld alle gesund bleiben. In Polen sind die Einschränkungen noch radikaler, daher können wir in Deutschland froh sein, dass wir zumindest noch einen Spaziergang machen können.

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Arek Blacha muss bei seiner Arbeit als Physiotherapeut besondere Maßnahmen treffen. Bild: Privat
Auf die persönliche Ansprache muss OHV-Trainer Arek Blacha – hier im Bild mit Kevin Wendlandt – verzichten. Wann ein Training wieder möglich sein wird, ist derzeit völlig ungewiss. Archivbild: Thomas Barth