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OHV trifft Sekunden vor Schluss zum Sieg

Erstellt von Ostfriesische Nachrichten: Silke Meyer | |   1. Herren

Ein Drehbuch für das einzige Auswärtsspiel des Handball-Drittligisten OHV Aurich hätte nicht packender geschrieben werden können. Der siegte beim TSV Altenholz 29:28. Die letzten Sekunden entschieden.

 

Altenholz. Für die Drittliga-Handballer des OHV Aurich ist das Erlebnis Auswärtsspiel in jeder Beziehung zu einem speziellen Höhepunkt geworden. Nicht nur, weil die Partie beim TSV Altenholz am Sonnabend ihr einziges in der Ligapokalrunde gewesen ist. Der setzten sie auch noch eine sportliche Haube drauf, die das Schnitzel nach dem Spiel noch mal so gut schmecken ließ. Sie gewannen eine packende Partie mit 29:28 Toren. Das entscheidende Tor erzielte Jonas Wark neun Sekunden vor Schluss.

 

Es war ein Szenario, wie es sich OHV-Trainer Arek Blacha im Vorfeld für den besten Fall ausgemalt hatte: „In dem Spiel war alles drin. Ja, es war einfach geil.“ Noch kürzer gesagt hieß das bei ihm: „Diese Mannschaft schockt.“ Dass die das Spiel noch gewinnen würde, danach hatte es in der Endphase nicht ausgesehen. Der OHV lag vier Minuten vor Schluss mit drei Toren zurück (25:28). Weil die Partie bis dahin ausgeglichen verlaufen war, schien das eine Vorentscheidung zu sein. Der OHV hatte in den ersten zehn Minuten der zweiten Halbzeit immer das eine Tor vorgelegt, das die magere Führung bedeutete, bekam dann aber Probleme mit der auf extrem offensiv umgestellten Altenholzer Abwehr. Der TSV drehte das Spiel.

 

Ein letzter Spielzug und drei Möglichkeiten

 

Und dann diese letzten Minuten. Jonas Wark verkürzte zunächst für den OHV auf 26:28. Auf der anderen Seite traf der TSV nur die Latte. In der 58. Minute handelte sich der Altenholzer Jonas Mau nach einem Foul an Kevin Wendlandt eine Zeitstrafe ein. Wendlandt und Wark sollten in den Schlussminuten die Schlüsselstellen im Angriffsspiel der Auricher bleiben. Wendlandt brachte den OHV mit seinem Tor aus dem linken Rückraum zum 27:28 noch näher ran. Und der OHV kam erneut in Ballbesitz und die Chance zum Gegenstoß. Wendlandt passte den Ball lang auf Jannes Hertlein, der von Bo Nielsen nur regelwidrig in Höhe der Torraumlinie und auf Kosten einer Roten Karte gestoppt werden konnte. Jonas Schweigart verwandelte den Siebenmeter zum 28:28. 95 Sekunden waren es noch bis zum Schlusspfiff.

 

TSV-Trainer André Lohrbach setzte die Auszeitkarte 48 Sekunden vor Schluss. Seine Mannschaft kam anschließend auch in aussichtsreicher Position zum Torabschluss. Doch Frederick Lüpke im Tor des OHV war es, der danach die Erfolgsfaust ballte. Er verhinderte mit einer Glanzparade Tor Nummer 29 für den TSV, als ein Altenholzer auf der rechten Rückraumseite in die Nahtstelle gegangen und frei zum Wurf gekommen war. Die letzten Sekunden gehörten dem OHV. Zunächst dem Trainer, der seine Mannschaft 23 Sekunden vor dem Ende in einer Auszeit auf die verbleibende Minispielzeit einstellte. Routinier Wendlandt sollte dort die Entscheidung treffen. Eingesetzt im linken Rückraum sollte er Richtung Tor gehen, dann entweder selbst den Abschluss suchen oder den Kreisläufer anspielen. Oder Jonas Wark auf der rechten Rückraumseite. Wendlandt entschied sich für den Pass auf Wark. Und der zimmerte den Ball ins obere linke Toreck. Was dem Auricher Trainer so an seiner Mannschaft imponierte: „Wir waren spielerisch nicht besser als Altenholz. Wir waren auch nicht gut. Aber wir haben trotzdem gewonnen.“ So gehen Spiele für das Selbstvertrauen.

 

Abwehr dominiert erste Halbzeit

 

Ganz neue Erfahrungen machten die Auricher, bevor das Spiel überhaupt begonnen hatte. Als sie sich dem Corona-Schnelltest unterzogen. So intensiv wie die Abstriche seitens des TSV durchgeführt wurden, hatten sie die Auricher noch nie gespürt. „Da haben wir gelitten“, sagt Blacha, der berufsbedingt täglich getestet wird. Bei einigen Spielern führte das Prozedere zu Nasenbluten.

 

In einem dann intensiv geführten Spiel dominierten in der ersten Halbzeit auf schnellen Beinen die Abwehrreihen. Nach vier Zeitstrafen gegen Spieler des TSV zwischen der neunten und 16. Spielminute sprachen die Schiedsrichter zwischen der 21. und 27. Minute drei gegen OHV-Spieler aus. So ausgeglichen, wie die erste Halbzeit verlief, begann auch die zweite. Das änderte sich ab der 45. Minute. Das Ende ist bekannt.

 

Bleibt noch die Rückfahrt. Für Bruno Levak sowie Josip Crnic, der verletzungsbedingt nicht zum Einsatz gekommen war, war es die Letzte mit dem OHV. Sie verlassen den Verein, wie berichtet, zum Ende dieser Saison. Nicht, ohne ihren Ausstand gegeben zu haben. Die Frage nach der Stimmung beantwortet sich trotz der Corona-Vorschriften von selbst.

 

TSV Altenholz – OHV Aurich 28:29 (12:12)

TSV Altenolz: Korn, Jöhnck; Fängler, Seebeck (5 Tore), Haack, Nielsen (5), Mau (2), Noack (3), Bergemann (2), Dibbert (2), Deleske, Schmidt (3), Abelmann-Brockmann (5/davon 5 Siebenmeter), Rakow, Martin, Holletzek (1).

OHV Aurich: Lüpke, Müller; Cuk (1), de Buhr (3), Wendlandt (5), Günsel, M. Pliuto (4), N. Pliuto (2), Wark (2), Schweigart (8/3), Hertlein (2), Reshöft, Levak (2), Fuhrmann.

Zeitstrafen: TSV 10 Minuten – OHV 10.

Rote Karte: Nielsen (59. Minute).

Siebenmeter: TSV 5/5 verwandelt – OHV 5/3.

Schiedsrichter: Jonas Dieckmann / Mirco Drews.

Torfolge: 4:4 (9. Minute), 9:8 (22.), 9:10 (26.), 12:12 (30.); 18:19 (40.), 22:19 (45.), 27:24 (54.), 28:25 (56.), 28:29 (60.).

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Ganz andere Ansagen als beim ungefährdeten Heimspielerfolg gegen den SC Magdeburg II musste OHV-Trainer Arek Blacha in der Auszeit beim TSV Altenholz machen. Die führten dort Sekunden vor Schluss zum siegbringenden Tor. Archivfoto: Wolfenberg