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Ein ganz besonderes Erlebnis

Erstellt von Ostfiresische Nachrichten: Silke Meyer | |   1. Herren

OHV-Handballer verlieren zwar im DHB-Pokal gegen Zweitligist TV Großwallstadt – und gehen trotzdem mit Glücksgefühlen aus dem Spiel

 

Mit einem enorm positiven Gefühl sind die Drittliga-Handballer des OHV Aurich am Sonnabend aus dem DHB-Pokalspiel gegen den TV Großwallstadt gegangen. Sie verloren zwar gegen den Zweitligisten. Was jetzt nicht überraschte. Erstaunlich aber das Ergebnis. Sie verloren nur mit vier Toren Differenz (27:31).
Die Auricher hatten mit einer eindrucksvollen Leistung dem Favoriten das Siegen verdammt schwergemacht.

 

„Das Spiel war schon etwas Besonderes“, sagte OHV-Trainer Arek Blacha. Gegen solch eine Mannschaft zu verlieren, sei keine Schmach. Sein Fazit lautete vielmehr: „Das war toll.“

 

Und damit meinte er nicht nur den Auftritt seiner Mannschaft, sondern das gesamte Paket, das zu dem Spieltag gehörte. Endlich einmal wieder vor Publikum spielen zu dürfen. Nicht ganz 400 Fans waren gekommen. Mit Beifall spielen zu dürfen. Das war für Blacha mit das Wichtigste: „Ich habe gemerkt, wie aufgeregt die Jungs vor dem Spiel gewesen sind.“

 

Auricher spielen gegenden Favoriten frech auf

 

Davon war im Spiel nichts zu spüren. Sie zeigten von Anfang an keinen Respekt vor dem Gegner mit großem Namen. Obwohl sie relativ kurzfristig umplanen mussten, da Blacha auf den Einsatz von Neuzugang Petar Puljic verzichten musste. Dessen Spielberechtigung, die über die internationalen Verbände laufen muss, lag nicht vor. Aus dem Grund mussten die Großwallstädter ebenfalls auf einen Neuzugang verzichten. Auf den türkischen Nationalspieler Görkem Bicer.

 

„Wir sind mit den Erwartungen gekommen, dass der OHV alles reinwerfen wird und es für uns ein Kampf wird“, sagte TV-Trainer Ralf Bader. Es kam wie vermutet.

 

Der OHV brachte alles rein. Begeisterung, Leidenschaft. Aber auch spielerische Klasse gegen einen mächtigen Gegner. Sei es mit Würfen aus dem Rückraum oder mit Anspielen auf den Kreisläufer, die Jannes Hertlein zwischen der siebten und zehnten Minute gleich dreimal in Tore ummünzte und so für den OHV auf 5:6 verkürzte.

 

Jonas Schweigart glich dann aus dem linken Rückraum sogar zum 6:6 aus. Aber es sollte noch besser kommen. Nachdem der TV Großwallstadt zweimal über die rechte Außenseite an Edgars Kuksa im Tor des OHV gescheitert war und den Gästen darüber hinaus noch ein Abspielfehler bei einer Gegenstoßchance unterlaufen war, traf Kevin Wendlandt aus dem Rückraum zum 7:6 für die Auricher.

 

Die erste Führung blieb zwar die einzige. Was sich aber nicht nachteilig auf den Unterhaltungswert des Spiels auswirkte. Nach einer Auszeit und personellen Wechseln geriet der OHV mit fünf Toren in Rückstand. Aber unterkriegen ließen sich die Auricher nicht.

 

Vor allem zu Beginn der zweiten Halbzeit, jetzt mit Frederick Lüpke im Tor, saßen sie dem Gegner mehr im Nacken als dem lieb war. Auch der hatte zur Halbzeit den Torwart gewechselt. Can Adanir bekam aber kaum Hand oder Fuß an den Ball. Der OHV machte aus dem 13:17-Halbzeitstand bis zur 37. Minute ein 19:20. Den 19. Treffer für den OHV erzielte Jonas Wark (siehe auch unten stehenden Bericht).

 

Defensive des OHV verdient sich Bestnoten

 

Die 40. Minute – 20:21. Torschütze zum 20:21 war Wendlandt, der allein in der zweiten Halbzeit achtmal erfolgreich und auch in der Abwehr ein Leistungsträger war. Überhaupt zollte Blacha der Defensive, und hier insbesondere dem Mittelblock, ein dickes Lob.

 

Der TV Großwallstadt reagierte mit einem Torwartwechsel auf den nahe gekommenen OHV. Jan Redwitz kehrte zurück. Der TV setzte sich mit drei Toren in Folge wieder ab. Für TV-Trainer Bader änderte das an seiner Note für die Torhüterleistung jedoch nichts: „Wir haben das Torhüterduell deutlich verloren.“

 

Denn Lüpke toppte noch die gute Leistung von Kuksa. Hielt in der 54. Minute einen Siebenmeter gegen den bundesligaerfahrenen quirligen Griechen im Team der Gäste, Savvas Savvas. Lüpke machte allein in den letzten drei Minuten drei dicke Gegenstoßchancen zunichte. Kam unter dem Strich auf zehn Paraden und eine Quote von fast 42 Prozent abgewehrter Bälle.

 

Aber in der Summe war es dann doch die Qualität des Zweitligisten, allen voran die von Savvas und Rückraumspieler Tom Jansen, die den Unterschied ausmachte. „Die Großwallstädter waren einfach abgezockter“, sagte Jonas Schweigart. „Uns haben am Ende die Kräfte gefehlt“, so der OHV-Mannschaftsführer nach einem Spiel, in dem die Auricher für einen Erfolg mehr Aufwand betreiben mussten als der Gegner.

 

„In den Knackpunkten des Spiels haben wir es richtig gemacht“, sagte TV-Trainer Bader. Die Qualität des OHV aus dem Rückraum sei aber auch sehr stark gewesen: „Da konnten wir oft nur hinterherschauen.“

 

„Unter dem Strich können wir, denke ich, zufrieden sein. Ich glaube, wir haben ein Ausrufezeichen gesetzt“, so Schweigart.

 

Optimistisch gestimmt ging auch Blacha aus dem Spiel: „Die Mannschaft hat ein großes Herz gezeigt. Und das ist eine gute Basis, um im Handball Erfolg zu haben.“

 

OHV – TV Großwallstadt 27:31 (13:17)

OHV Aurich: Kuksa (1. - 30. Minute), Lüpke (31. - 60.), Jungvogel; Wendlandt (11 Tore), Günsel, Fuhrmann, Vorontsov, M. Pliuto (2), N. Pliuto (1), Wark (4), Reshöft, Schweigart (6/davon 1 Siebenmeter), Hertlein (3), Menne.

TV Großwallstadt: Redwitz (1. - 30. und 41. - 60.), Adani (31. - 40.); Jansen (10/1), Klenk (2), Babarskas, Bandlow (2), Schauer (2), Weit, Stark (2), Rink (5), Savvas (8/1).

Zeitstrafen: OHV 10 Minuten – TV 6.

Siebenmeter: OHV 2/1 verwandelt – TV 3/2.

Schiedsrichter: Matthias und Sebastian Klinke (Bordesholm).

Zuschauer: 369.

Torfolge: 1:1 (2. Minute), 1:3 (5.), 4:6 (9.), 7:6 (11.), 8:9 (17.), 8:13 (21.), 13:17 (30.); 19:20 (37.), 20:21 (40.), 20:24 (44.), 25:28 (53.), 27:31 (60.).

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Der OHV (mit Ball Nikita Pliuto) zeigte gegen den TV Großwallstadt eine starke Leistung.Foto: Bernd Wolfenberg
OHV-Torwart Frederick Lüpke ließ mit seinen Paraden so manchen Spieler des TV Großwallstadt verzweifeln.
OHV-Spieler Kevin Wendlandt überzeugte gegen den TV Großwallstadt unter anderem als elffacher Torschütze. Fotos: Bernd Wolfenberg
Die Fans sorgten auf der Tribüne für Stimmung, wie es sie coronabedingt seit mehr als einem Jahr nicht mehr in der Sparkassen-Arena gegeben hatte.