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OHV-Handballer arbeiten sich zum Derbysieg

Erstellt von Ostfriesische Nachrichten: Silke Meyer | |   1. Herren

Handball-Drittligist OHV Aurich siegte in einer außergewöhnlichen Partie 32:27 beim TV Cloppenburg. Dabei spielen drei im Auricher Team und eine Rote Karte gegen einen TV-Spieler eine besondere Rolle.

 

Cloppenburg - Schwerstarbeit war das, was die Drittliga-Handballer des OHV Aurich am Sonnabend im Derby beim TV Cloppenburg geleistet haben. Am Ende drängte aber die Freude über einen 32:27-Sieg alles, was in diesem, von den Entscheidungen der Schiedsrichter zerrissenen Spiel passiert war, in den Hintergrund. Für den OHV entwickelte sich die zweite Halbzeit zu einem Zeitstrafen-Festival. Sieben gab es für die Auricher, keine für die Cloppenburger. Die Siebte kassierte OHV-Trainer Arek Blacha 34 Sekunden vor Schluss.

 

In der Statistik standen dann insgesamt neun Zeitstrafen für den OHV, drei für die Cloppenburger. Die traf es aber, zu ihrem Entsetzen und zur Überraschung aller, mit einer Roten Karte. Ole Harms war in der 19. Spielminute zu einem Siebenmeter gegen OHV-Torwart Frederick Lüpke angetreten. Die Schiedsrichter werteten den Wurf von Harms, der eher ein Würfchen war, als Kopftreffer. Lüpke wehrte den Ball ab. Diesen Wurf aber mit einer Roten Karte zu ahnden sahen auch die Auricher ohne jeglichen Zweifel als nicht gerechtfertigt.

 

Auch beim OHV fällt Leistungsträger aus

 

Die Cloppenburger führten zu dem Zeitpunkt 8:7. Und mussten für den Rest des Spiels auf einen ihrer Leistungsträger verzichten, der zuvor zwei Siebenmeter verwandelt, ein Feldtor erzielt und der OHV-Abwehr Probleme bereitet hatte. Zugleich mit der Roten Karte handelten sich die Cloppenburger noch eine Team-Zeitstrafe ein. Das bedeutete: zwei Minuten doppelte Unterzahl.

 

Der OHV glich durch Evgeny Vorontsov zum 8:8 aus, musste kurz darauf aber den Ausfall von Kevin Wendlandt verarbeiten. Er hatte einen Schlag in die Rippen bekommen und daraufhin Atemprobleme. Für Wendlandt spielte fortan Jonas Wark. Vorontsov, Lüpke und Wark waren am Ende die Schlüsselspieler des OHV auf dem Weg zum Sieg.

 

Zäher Auftakt für den OHV

 

Vorontsov, weil er zum Torgaranten wurde. Obwohl er zunächst zwischen der sechsten und zwölften Minute dreimal auf der rechten Außenseite in aussichtsreichster Position den Ball nicht im Tor untergebracht hatte. Vorontsov verkürzte in der 16. Minute mit einem verwandelten Siebenmeter für den OHV zum 5:7. Damit war der Knoten bei ihm geplatzt. Lüpke, weil er zur Hochform auflief. Er war nach einer Viertelstunde für Edgars Kuksa gekommen. Kuksa hatte einen schweren Stand gehabt, da die Abwehr nicht so funktionierte wie geplant. Lüpke führte sich mit jenem gehaltenen Strafwurf ein, der zur Roten Karte für den TV-Spieler führte, und ließ anschließend etliche Glanzparaden folgen.

 

Geärgert hat sich Lüpke am Ende aber trotzdem. Über die vielen Zeitstrafen: „Das darf nicht passieren.“ Und Wark, weil er im Angriff mutig agierte und ein ums andere Mal im Spiel Mann gegen Mann erfolgreich abschloss, als die Cloppenburger in der zweiten Halbzeit auf eine offensivere Abwehrvariante umgeschaltet hatten. „Der Druck ist schon da. Aber wenn das erste Tor gelingt, fällt die Last ab“, so der Nachwuchsspieler. Zunächst einmal begann die Partie aus Sicht der Auricher ziemlich zäh. „Genau wie im Spiel zum Saisonauftakt gegen Lit hatten wir Startprobleme“, so Lüpke. „Wir haben es nicht geschafft, die Nervosität aus dem Derby zu nehmen“, sagte Blacha.

 

Anfang der zweiten Halbzeit ist es noch eng

 

Die Auricher trafen aber auch, wie von Blacha nicht anders erwartet, auf eine Cloppenburger Mannschaft, die im Vergleich zum deutlich verlorenem Auftaktspiel ganz anders auftrat. Blacha ärgerte sich vor allem über die Tore, die seine Mannschaft anfangs über die Mitte kassierte.

 

Wie schon gegen Lit drehten die Auricher das Spiel aber wieder in der zweiten Viertelstunde der ersten Halbzeit. Diesmal ließen sie zwischen der 16. und 30. Minute nur zwei Tore zu. Ein Feldtor, das Kreisläufer Vincent Saalmann gelang, und einen Strafwurf, den Adam Pal 50 Sekunden vor dem Halbzeitpfiff verwandelte. Der OHV aber hatte in dieser Phase aus dem 5:8 ein 12:10 gemacht.

 

Motivationspille des OHV-Trainer wirkt

 

Die Auricher brauchten nach der Pause jedoch, um wieder in Schwung zu kommen. Besser machten es zunächst die Cloppenburger, denen es sogar gelang, wieder in Führung zu gehen. Die war aber nur von kurzer Dauer. Der OHV nutzte zwischen der 39. und 41. Minute einen Ballverlust und einen Fehlversuch der Cloppenburger, um die Partie erneut zu drehen. Diesmal für immer. Vorontsov und Jannes Hertlein legten zum 19:17 vor. Die Auricher bauten ihren Vorsprung mit fünf Toren in Folge aus. „Abwehrblock und Torwart haben in der zweiten Halbzeit super zusammengearbeitet“, lobte Blacha besonders die Defensive. Mit dem Ergebnis, dass die Cloppenburger nicht mehr aus der zweiten Reihe erfolgreich waren.

 

Die Auricher, die von rund 50 mitgereisten Fans unterstützt wurden, hielten ihren Vorsprung trotz eines nach wie vor verworrenen Spiels.

 

Er sei noch nie mit 4:0 Punkten in eine Drittligasaison gestartet, hatte Blacha seiner Mannschaft als Motivationspille mit ins Spiel gegeben. Die hatte gewirkt. Er wolle sich erkenntlich zeigen, kündigte Blacha anschließend an.

 

TV Cloppenburg – OHV Aurich 27:32 (10:12)

TV Cloppenburg: Legler, Buschmann; Houtepen (1), Harms (3/davon 2 Siebenmeter), Lugosi (3), Pawlaczyk (2), A. Pal (3/3), Goepel (2), Skierawski, Bähnke (1), Saalmann (5/1), Marszalek (3), Zwarthoed (2), Sibahi (1), Niemann, T. Pal.

OHV Aurich: Kuksa (1. bis 15. Minute), Lüpke (15. – 60.); Wendlandt (1), Günsel (1), Fuhrmann, Vorontsov (11/4), M. Pliuto (1), N. Pliuto (1), Wark (5), Schweigart (5), Hertlein (2), Reshöft, Menne, Puljic (5).

Zeitstrafen: TV 6 Minuten – OHV 18 Minuten.

Rote Karte: Harms (19. Minute).

Siebenmeter: TV 9/6 verwandelt – OHV 6/4.

Schiedsrichter: Matthias Hallmann / Lars Lieker (Wuppertal / Solingen).

Zuschauer : 500.

Torfolge: 3:3 (6. Minute), 8:5 (16.), 8:10 (23.), 10:12 (30.); 13:14 (34.), 17:16 (38.), 17:19 (41.), 18:24 (47.), 20:27 (52.), 27:32 (60.).

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OHV-Spieler Evgeny Vorontsov ließ sich von seinem misslungenen Auftakt nicht aufhalten. Er avancierte zum treffsichersten OHV-Torschützen.
Nicht nur TV-Spieler Ole Harms konnte es kaum glauben, als der Schiedsrichter die Rote Karte zog.
Mit einer Jubelwelle bedankten sich die OHV-Spieler bei den mitgereisten Fans für die Unterstützung. Fotos: Bernd Wolfenberg
Die mitgereisten Auricher Fans, insgesamt waren es rund 50, unterstützten die Mannschaft des OHV im Derby beim TV Cloppenburg und klatschten, was die Hände hergaben. Sie feierten ihr Team am Ende mit stehenden Ovationen.